Pilgern auf kleinen Füßen – Erster Oma-Opa-Enkel-Tag in der Willibaldswoche
Eichstätt (pde) – „Es herrscht eine wunderschöne Atmosphäre der Stille und Sammlung“, heißt es auf der Homepage der Stadt Eichstätt über den spätgotischen Kreuzgang des Doms. Den Touristen, die sich am Nachmittag des 7. Julis dort umsehen, bietet sich dagegen ein ganz anderes Bild: Kunterbunt geht es zu, laut und fröhlich. Zum ersten Mal hat die Diözese zu einem Oma-Opa-Enkel-Tag in der Willibaldswoche eingeladen. Eigentlich hätte der Erlebnisnachmittag mit Barfußpark, Bastelangeboten, Spielen und Leseecke im Freien vor dem Dom stattfinden sollen, doch angesichts aufziehender Regenwolken haben die Verantwortlichen aus dem Bischöflichen Ordinariat auf Plan B gesetzt und die verschiedenen Stationen im Trockenen aufgebaut. Ziel des Nachmittags ist es, kindgerechte Bezüge zum Leben und zur Pilgerschaft des heiligen Willibalds zu schaffen.
Gleich zu Beginn können sich die kleinen Besucherinnen und Besucher bei Markus Wittmann, Projektleiter der Willibaldswoche, ein kleines Pilgerheft und den ersten Aufkleber holen, um danach barfuß über einen aus verschiedenen Materialien zusammengesetzten Sinnesparcours zu schreiten, den Boden bewusst zu spüren, mutig den Fuß auf ungewissen Untergrund zu setzen – wie einst der heilige Willibald auf seinen Pilgerreisen. Gut, wenn die ganz Kleinen noch an der Hand von Opa oder Oma gehen können. Elke Templer aus Titting hat neben ihren drei Enkeln – fünf, drei und zwei Jahre alt – sogar ihre eigenen Eltern mitgebracht: ein gelungener Mehr-Generationen-Ausflug. Gabi Falk aus Hofstetten hat ihren Enkel Matteo dabei, der heuer in die Schule kommt. Bevor sie vor fünf Jahren in Ruhestand ging, arbeitete sie im Fachreferat Kindertageseinrichtungen und half bei der Vorbereitung von Wallfahrten, die nacheinander Kitas aus allen Dekanaten des Bistums zur Willibaldswoche führten. Natürlich interessiere sie sich auch heute noch dafür, „was in der Willibaldswoche läuft“, erzählt Falk. „Ich finde es heute ganz, ganz interessant“, meint sie und ergänzt lachend: „Und es ist sehr wuselig.“

Das liegt auch daran, dass gleich zwei Schulklassen den Weg in den Kreuzgang gefunden haben. Die 56 Sechstklässler aus einem Münchner Gymnasium, die eine Woche im Eichstätter Schullandheim verbringen, haben die Stationen im Kreuzgang kurzerhand in ihre Stadtrallye integriert. Eigentlich liege der Fokus der vom Fach Biologie geplanten Fahrt auf den Fossiliensteinbrüchen rund um Eichstätt, verrät eine Lehrerin. Aber nicht weniger passend sei das Thema Umwelt, um das es in der zweiten Etappe beim Oma-Enkel-Tag geht. Auf Vermittlung von Nachhaltigkeitsreferentin Lisa Amon haben Emma Gantner und Lea Wolf die Station vorbereitet. Die beiden studieren an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und haben viele Dutzend leere Milch- und Saftboxen gesammelt und ausgespült. Sie zeigen den jungen Besucherinnen und Besuchern, wie man daraus kleine Windräder bauen kann. Während des Bastelns lenken sie das Gespräch spielerisch auf das Thema Müllvermeidung und Recycling. So wie die erste Station mit „Wessex“, dem Geburtsort des Bistumspatrons, überschrieben war, heißt es bei Gantner und Wolf „Assisi“ – eine Stadt, durch die Willibald auf seinem Weg nach Rom vielleicht gar nicht gekommen ist, die aber der Geburtsort des heiligen Franziskus war. Und schon ist es nur noch ein kleiner gedanklicher Sprung zur Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus, die als kindgerechte Version zum Probelesen bereitliegt.

Station drei wird betreut von Matthäus Kamuf, Referent für Erwachsenenseelsorge im Bistum Eichstätt. Sie erinnert an ein trauriges Erlebnis von Willibald und seinem Bruder Wunibald: Im Jahr 721 beginnen sie gemeinsam mit ihrem Vater Richard eine Wallfahrt nach Rom. Während der Reise stirbt ihr Vater in der toskanischen Stadt Lucca. Dass es im Leben Schweres zu ertragen gibt, dass es Dinge gibt, die einem Angst machen – darüber sprechen die Kinder, während sie Steine bunt bemalen dürfen.
Die nächste Station im Kreuzgang wird betreut von der Leiterin des Fachbereichs Erwachsene und Familien, Dr. Marion Bayerl, und heißt „Rom“. Die Etappe erinnert daran, wie Willibald und Wunibald nach dem Verlust des Vaters ihren Weg nach Rom fortsetzen, ihre Trauer verarbeiten und sich gegenseitig stützen. Veranschaulicht wird dies durch ein Geschicklichkeitsspiel aus dem Fundus der Jugendstelle Gaimersheim, das nur im Team funktioniert.

Rast und Ruhe fand Willibald im Kloster. Folglich nennt sich die Brotzeitstation im Dompfarrheim, in der es Wurst- und Käsesemmeln gibt, auch „Monte Cassino“. Von dort aus geht es schließlich zur Station „Eichstätt“, das Willibalds letzte Station werden sollte. Zur Erinnerung daran dürfen die Kinder Pilgermünzen prägen, Hoffnungsfahnen gestalten und sich schließlich ihren letzten Aufkleber für ihr Pilgerheft schnappen. Die Steine holen sie ebenfalls nochmals hervor. Im abschließenden Gottesdienst mit Weihbischof Adolf Bittschi, Diözesanadministrator Dompropst Alfred Rottler und Domkapitular Michael Harrer dürfen sie ihre bunt bemalten Werke an den Stufen des Domaltares niederlegen und fröhlich zurückspringen zu ihren Omas oder Opas.
Willibaldswoche
Die Willibaldswoche findet seit 2009 jährlich statt. Anlass der Begegnungs- und Wallfahrtswoche für die Gläubige der Diözese Eichstätt ist der Gedenktag des Bistumsgründers Willibald, dessen Todestag der 7. Juli 787 war.
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