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13.07.2025

„Ein lebendiges Zeugnis der Liebe“: Begegnung mit 800 Ehejubilaren

Festgottesdienst mit Ehejubilaren. Foto: Wolfgang Bertl

Pilgerreise des Lebens: Rund 400 Paare feierten ihr Ehejubiläum im Eichstätter Dom. Foto: Wolfgang Bertl/pde

Eichstätt. (pde)– Rund 400 Ehepaare, die in diesem Jahr ihre goldene Hochzeit begehen, haben am Sonntag, 13. Juli, einen festlichen Gottesdienst zum Abschluss der Willibaldswoche im Eichstätter Dom gefeiert. Der in Ingolstadt geborene Weihbischof Adolfo Bittschi, der in der bolivianischen Hauptstadt Sucre lebt, dankte ihnen für ihre jahrzehntelange Liebe und Treue.

Ein stilles Staunen erfüllt den Eichstätter Dom an diesem Tag der Ehejubilare. Spürbar ist ein leiser, beinahe andächtiger Respekt vor dem, was sich hier versammelt hat: rund 800 Menschen, die ihr Ja-Wort seit 50 oder mehr Jahren leben. So viel Liebesgeschichte kommt selten zusammen, außer in der Willibaldswoche: über 40.000 Jahre gelebte Beziehung und geteilte Lebenserfahrung unter einem Gewölbe. Da wird der Dom selbst zum Raum der Dankbarkeit, zur Kathedrale des gelebten Glaubens in der Liebe. Ein Blick in die Gesichter verrät: Hier sitzen Menschen, die das Leben in all seinen Farben kennen: nicht die perfekte Liebe, sondern die echte, die sich täglich neu entscheidet. Und über allem steht ein tief empfundenes Danke – für die gemeinsame Zeit, für den Segen Gottes, für das Geschenk der Treue. Auch Weihbischof Bittschi brachte diese Dankbarkeit in seiner Predigt zum Ausdruck.

Sie sind ein Vorbild

„Heute stehen Sie wieder vor dem Altar, diesmal mit einer ganz besonderen Geschichte im Herzen“, sagte Bittschi. „Ihr ‚Ja-Wort‘ vor 50 Jahren und mehr war schlicht, aber von gewaltiger Bedeutung. Und Sie leben dieses Ja bis heute, im Glauben und im Dank an Gott.“ Der Weihbischof würdigte die Lebensleistung der Paare, die gemeinsam Kinder großgezogen, Krankheiten überwunden, Verluste getragen und viele Glücksmomente geteilt haben. „Ihre Liebe ist gereift, tiefer geworden, beständiger, stärker. In einer Zeit, in der vieles schnelllebig geworden ist und Beziehungen oft nicht mehr dauerhaft sind, sind Sie ein Zeichen, ein lebendiges Zeugnis der Liebe. Sie sind ein Vorbild, und ich möchte heute im Namen der Kirche einfach nur sagen: Danke, Vergelt’s Gott!“

Bittschi ermutigte die Paare, ihre Verbindung weiterhin im Glauben zu stärken. In einem Bild aus dem Heiligen Land verglich er die Ehe mit dem See Genezareth, der Wasser weiterfließen lässt: „Denken Sie mit Dankbarkeit an das Schöne wie an das Schwere, und lassen Sie alles in die Hände Gottes fließen. Dann werden die kommenden Jahre licht und hell.“ Der Weihbischof erinnerte daran, dass in jeder Ehe Gott selbst der Dritte im Bunde sei: „Er war da in den stillen Momenten, in den Tränen, im gemeinsamen Gebet und auch im Lachen am Küchentisch.“

Während des Gottesdienstes, den die Jugendkantorei am Eichstätter Dom zusammen mit dem Jugendchor St. Remigius aus Düsseldorf musikalisch gestaltete, erteilten Weihbischof Bittschi und weitere Geistliche aus dem Bistum den Jubelpaaren den Einzelsegen. Nach der Eucharistiefeier im Dom waren die Paare zu einem Beisammensein mit Imbiss im Garten des Priesterseminars eingeladen.

„Wenn ich dich nicht hätte!“

Zu den Paaren, die zur Begegnung der Ehejubilare nach Eichstätt kamen, zählen auch Rita und Anton Lang aus Günching bei Velburg. Seit Jahrzehnten engagieren sie sich mit Herzblut in ihrer Kirchengemeinde: Rita singt seit vielen Jahren im Kirchenchor (beim Festgottesdienst im Dom hat sie die Lesung vorgetragen), Anton war 36 Jahre im Pfarrgemeinderat aktiv und ist in der dritten Amtsperiode Vorsitzender des Dekanatsrats im Dekanat Habsberg. Seit 31 Jahren ist er Mitglied des Diözesanrats im Bistum Eichstätt, den er auch im Landeskomitee der Katholiken in Bayern vertritt.

Der Glaube spielt für beide eine tragende Rolle im Leben. „Wir können uns keinen Sonntag ohne den Gottesdienst vorstellen“, sagen sie einstimmig. Und wenn sie auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurückblicken, spüren sie vor allem eines: tiefe Dankbarkeit. „Schwierige Situationen – wie eine Kopfoperation meiner Frau – haben uns nicht auseinandergebracht, sondern noch enger verbunden“, erzählt Anton Lang. „Wenn ich dich nicht hätte!“, sagen sie sich oft.

Ihr ganz persönliches Geheimnis für eine langjährige, erfüllte Ehe teilen sie gerne, und sprechen dabei wohl vielen Jubilaren aus dem Herzen: „Gegenseitige Achtung und Wertschätzung, Ehrlichkeit und Kompromissbereitschaft.“ Entscheidungen treffen sie immer gemeinsam und achten gleichzeitig darauf, sich gegenseitig Freiraum zu lassen. Jeder hat seine eigenen Hobbys: Für Rita ist es die Musik und ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Klinikseelsorgerin im Klinikum Neumarkt, Anton interessiert sich für die digitale Welt, betreut ehrenamtlich die Website der Pfarrei. Und was würden sie jungen Menschen raten, die den Wunsch nach einer lebenslangen Beziehung haben? „Vertrauen ist das Wichtigste. Man muss den anderen so annehmen, wie er ist, und darf ihm keine Fesseln anlegen.“

„Die Ehe ist wie eine Bergwanderung“

Unter den Ehejubilaren befanden sich auch konfessionsverbindende Paare wie Waltraud und Artur Angne aus Beilngries – sie katholisch, er evangelisch. Während Artur sich als Prädikant und Mitglied der Kirchenverwaltung in der evangelisch-lutherischen Gemeinde engagiert, sind seine Kinder im Pfarrgemeinderat, in der Kirchenverwaltung und im Lektorendienst der katholischen Pfarrei aktiv. Seit 50 Jahren geht das ökumenische Ehepaar gemeinsam durchs Leben – durch Höhen und Tiefen. „Diese Zeit ist für uns ein Geschenk Gottes“, sagen sie. „Eine Zeit voller Glück, aber auch des Zusammenraufens – nicht gleich davonlaufen, sondern sich gegenseitig verstehen.“

Besonders im Herzen tragen sie die großen Stationen ihres gemeinsamen Lebens: ihre Hochzeit, die Geburten ihrer drei Kinder und schließlich die Ankunft von vier Enkelkindern. Diese Momente haben tiefe Spuren der Freude und Verbundenheit hinterlassen. Was ihre Beziehung über all die Jahre getragen hat, ist eine ganz eigene „gemeinsame Sprache“: Vertrauen, Humor und die Freude daran, gemeinsam unterwegs zu sein. „Wir gehen zusammen durchs Leben – und am liebsten auch durch die Berge“, erzählt das Paar schmunzelnd. Wandern ist neben Lesen und Malen ihre bevorzugte Freizeitbeschäftigung. „Die Ehe ist ja wie eine Bergwanderung, mal steiler, mal eben und ein Stück abwärts. Dazwischen immer mal Gipfelglück“, vergleicht Artur.

Aus ihrer Erfahrung heraus können Waltraud und Artur Angne sagen: „Unterschiedliche Glaubensauffassungen müssen kein Hindernis in der Liebe sein. Sie können eine große Bereicherung bedeuten, wenn man einander mit Respekt begegnet. Toleranz war für uns immer die Grundlage des Zusammenlebens.“ Der gegenseitige Respekt für den Glauben des anderen habe sie gestärkt. Jungen Paaren, die sich auf eine konfessionsverbindende Ehe einlassen, geben sie einen wertvollen Rat mit auf den Weg: „Habt Interesse an den Glaubensgrundlagen des anderen. Seid offen, hört zu – und begegnet euch mit Toleranz.“

Weitere Berichte und Bilder der Willibaldswoche sind abrufbar unter www.willibaldswoche.de.

Text: Geraldo Hoffmann

Ehejubilare Gertrud und Karl Mayerhöfer: „Wir sind dankbar, dass wir uns haben“

Willibaldswoche

Die Willibaldswoche findet seit 2009 jährlich statt. Anlass der Begegnungs- und Wallfahrtswoche für die Gläubige der Diözese Eichstätt ist der Gedenktag des Bistumsgründers Willibald, dessen Todestag der 7. Juli 787 war.

Kontakt

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E-Mail: willibaldswoche(at)bistum-eichstaett(dot)de